Nicht immer stimmt das Sprichwort „Was lange währt wird immer gut“. Doch in diesem Fall hat es sich ganz und gar bewahrheitet. Nach 13 Jahren Vorlauf und folgenden 4 Jahren Restaurierungsarbeiten durch die Firma Hermann Eule Orgelbau Bautzen kann sich das Ergebnis sehen, vielmehr hören lassen.

kantorin schildmannvollzug wiederingebrauchnahme

Doch im Festgottesdienst zur Wiedereinweihung am 23. Juni 2019 schwieg sie zunächst. Nach der von OKR Wagner aus Erfurt vollzogenen Wiederingebrauch-nahme erklang sie zum ersten Mal. Welch ein Klang, welch eine Kraft, mit der die Orgel erstrahlte! Kantorin Laura Schildmann spielte nach dem Danklied „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ von Franz Wagner (1870-1929) das Phantasiestück „Trionfo della vita“ (Triumph des Lebens) - ein wahres Feuerwerk an Klangfarben. Die Zuhörer staunten. Eine solche Klangvielfalt auszubreiten, dazu war diese Orgel über viele Jahrzehnte nicht mehr in der Lage. Frau Schildmann spielte im Verlauf des Gottesdienstes noch ein weiteres Orgelwerk: Das „Concertstück im freien Style von Franz Liszt und Alexander Wilhelm Gottschalg“. Ein beeindruckendes Werk ganz im Stile der hochromantischen Orgelliteratur, gespielt auf unserer großen hochromantischen Orgel.

Der Höhepunkt am Nachmittag war ein Orgelkonzert, gespielt von Leo van Doeselaar, einem international bekannten Orgelsolist und zugleich Professor für Künstlerisches Orgelspiel an der Universität der Künste in Berlin. Er begann mit Johann Sebastian Bachs „Passacaglia und Fuge c-moll BWV 582“, gespielt nach den originalen Registrierungs- und Tempoanweisungen von Johann Gottlob Töpfer (1791-1870), dem Theoretiker des hochromantischen Orgelbaus, mit dem Julius Strobel zusammenarbeitete.
Danach erklang von Franz Liszt „Variationen über den Basso continuo des ersten Satzes der Cantate: Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen  …und des Crucifixus der h-moll Messe von J. S. Bach“. Liszt hatte das Werk 1859 geschrieben in tiefer Erschütterung über den Tod seiner Tochter Blandine. Der Organist vermochte es an dieser Orgel mit ihrer außerordentlichen Klangvielfalt, Liszts tiefe Trauer, Verzweiflung und Sehnsucht, Fassungslosigkeit und Wut – und doch auch immer wieder seine kleinen Hoffnungsschimmer in bewegender Weise uns nahe zu bringen.