Sanierung der Strobelorgel Förderverein
“Orgelfreunde der Großen Strobel-Orgel e. V.”

Warum muss jetzt gehandelt werden?

Zum kulturhistorischen Wert der Großen Strobel-Orgel sei auf den Artikel von Jiri Kocourek verwiesen. Hervorzuheben sind auch die öffentlichen Frankenhäuser Sommermusiken, die bis auf die ersten Deutschen Musikfeste zurückgehen, die 1810 in Bad Frankenhausen Kantor Johann Georg Bischoff organisiert und Louis Spohr künstlerisch geleitet haben. Seit 38 Jahren richten Kirchgemeinde und Förderverein zwischen Mai und Oktober die Frankenhäuser Sommermusiken aus, zu deren einzelnen Konzerten durchschnittlich viele Besucher aus der Region von Sondershausen bis Erfurt anreisen. Zum Angebot der Sommermusiken gehörte bereits Justus Frantz, der mit seiner Philharmonie der Nationen „Scheherazade“ von Nikolai Rimsky-Korsakow in der Unterkirche gespielt hat, ein Abend mit dem Thomanerchor und die Aufführung der „Die Schöpfung“ von Haydn, die regionale Chöre gemeinsam mit dem Lohorchester aus Sondershausen zum 200sten Jubiläum der ersten Deutschen Musikfestspiele einstudiert hatten.
Neben der künstlerischen Einmaligkeit ist die Orgel ein integraler Bestandteil der regulären Gottesdienste. Seit der Kirchweihe 1703 erklingt Orgelmusik in der Unterkirche in Bad Frankenhausen. Die Orgel spricht, wo wir Menschen nicht reden können und nicht schweigen wollen. Ihr gesungenes Gebet verbindet Himmel und Erde. Die Orgel spannt mit dem Altar einen Bogen zwischen irdischer und heiliger Welt.

Doch die Große Strobelorgel läßt sich nicht mehr zuverlässig spielen. So mussten Orgelkonzerte bereits komplett aus dem Programm der Sommermusiken gestrichen werden. Obwohl kleinere Reparaturen in den vergangenen Jahren immer wieder durchgeführt wurden, diese oberflächlichen Eingriffe reichen nicht mehr aus. Selbst Zungenregister kann die Kantorin nicht mehr eigenständig stimmen. Eine Generalüberholung und Restaurierung ist unausweichlich mit dem Ziel, die Orgel in den Zustand von 1886 zurückzuführen. Zusätzlich droht der Orgel eine weitere Belastung durch Staub und Schmutz, der bei den umfassenden Renovierungsarbeiten am inneren und äußeren Kirchenschiff der Unterkirche entsteht. Noch konzentrieren sich die Arbeiten auf den Chor, doch wandern die Arbeiten schrittweise ins Kirchenschiff und immer stärker in die räumliche Nähe zur Orgel. Neben dem Engagement von Kirchgemeinde und Förderverein wird die Unterstützung und Hilfe interessierter Bürgerinnen und Bürger benötigt, um die Große Strobelorgel wieder in neuem Glanze entstehen zu lassen. Die Sanierungskosten werden sich auf ca. 530.000 € belaufen!
Folgender zeitlicher Ablauf ist geplant:
2013 Ausbau der Orgel und Vorbereitung der Rekonstruktion
2014/2015 Sanierung der Orgel
2015 Einbau der Orgel in die Unterkirche, Intonation, Generalstimmung und schließlich Inbetriebnahme.

Welche Schäden sind u.a. zu beheben?
Die Windlade

Die hölzernen Fundamentbretter der Windlade, die Pfeifen, Wind, Spiel- und Registertrakturen verbindet, haben Risse. Zusätzlich sind die Ventile der Windlade, die den Luftstrom zu den Pfeifen steuern, ohne Lederdichtung. So sind je nach gewählter Registrierung disharmonische Durchstecher („Schleifendurchstecher“) zu hören. Das beeinträchtigt die Stimmhaltung des gesamten Pfeifenwerks. Wegen der häufigen Veränderungen an der Windanlage ist die Windversorgung unzuverlässig. Das III. Manual besitzt keinen Balg mehr. Er wurde im 20. Jahrhundert ausgebaut.

Fotos: M. Lamprecht


Schleifenbahn und Schleife ohne Belederung

Freier Raum zwischen Rückwand und den größten Pedalpfeifen auf der Cs-Seite, unten sind Einzapfungen erkennbar - Windkanalanschluss in Richtung zum früheren Balgstandort, der breite Querkanal stand aufrecht, leicht schräg, unter dem Balg
Die Barkermaschine

Die Barkermaschine arbeitet unberechenbar aufgrund mehrfacher Veränderung der Windversorgung und des unterschiedlichen Trakturganges zwischen Taste und Barkereinschaltung. Die Barkermaschine unter dem III. Manual wurde wahrscheinlich 1956 außer Betrieb genommen, was zu einer schwergängigen Traktur führte.

Foto: M. Lamprecht


Überbrückte Barkermaschine unter den Windladen des III.Manuals
Das Schwellwerk

Die Schwelltüren des Schwellwerks mitsamt der kompletten Mechanik zu deren Betätigung wurden 1956 entfernt, so dass bei einzelnen Registern oder Registerkombinationen keine stufenlosen Übergänge mehr möglich sind. Das „Schwellwerk“ bezeichnet die Pfeifen, die zusammen in einem verschlossenen Holzkasten sind. Die Vorderseite ist mit kleinen Türen versehen, durch die man den Klang an- oder abschwellen lassen kann. Daher der Name „Schwellwerk“.

Foto: M. Lamprecht


Ausschnitt des Schwellwerks von vorn
Das Pfeifenwerk

Das Pfeifenwerk der ca. 3.500 Pfeifen ist stark verschmutzt. Viele Eingriffe und Umbauten haben Lücken gerissen. Die Orgel ist klanglich sehr unausgewogen. Einige der 49 Register sind ausgebaut worden oder fehlen gänzlich. „Register“ sind Pfeifen gleicher Bauart und Klangfarbe. Sie werden über die sichtbaren Knäufe am Spieltisch gezogen oder abgestoßen. Die Register Trompete 8`, Bordun 16`und Salicional 8`sind ausgebaut und in der Kirche gelagert worden. Die Register Aeoline 16` und Schweizerflöte 8` fehlen und müssen rekonstruiert werden.

Foto: M. Lamprecht


Pfeifenwerk der hintereinander angeordneten Manual
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